
War die Wahrheit sagt, muss häufig gegen die Masse anschwimmen
In den amerikanischen Gerichtsfilmen wird das immer wieder gern gezeigt – der Zeuge schwört auf die Bibel, die Wahrheit zu sagen und nichts als die Wahrheit, so wahr ihm Gott helfe. Ich war auch schon mal bei Gericht und ganz enttäuscht, dass die Zeugin, die nachweislich log, nicht vereidigt wurde.
Im Film wie im wahren Leben nimmt es nicht jeder mit der Wahrheit so ganz genau. Ich habe das als junger Mensch auch nicht immer getan. Warum ist das, so und was genau ist eigentlich die Wahrheit? Doch etwas rein Subjektives, etwas, dass ich selbst als wahr anerkenne oder mir als wahr einbilde.
Marius Müller-Westernhagen hat mal zutreffend das Thema Wahrheit im Song „Du bist nicht allein“ besungen:
„Er wollte mir die Wahrheit sagen
wer kann die Wahrheit schon ertragen
ich hab die ganze Nacht vor Wut geflennt.“
Ich war jüngst mal bei einer Wahrsagerin. Das war mal ganz nett, obwohl wenig Wiederholungsgefahr besteht. Sie endete mit den Worten „Das sieht doch gar nicht so schlecht aus!“ Auch Wahrsagerinnen tun sich also schwer mit der Wahrheit.
Viele Menschen wollen doch die Wahrheit gar nicht hören oder sehen und wenden sich daher eher ab. Das gilt für persönliche wie kollektive Dinge. In meinen Seminaren vermittle ich den Ansatz der bedingungslosen Ehrlichkeit zu mir selbst als Grundvoraussetzung. Wenn ich die Dinge, die mich beschäftigen, nicht ehrlich annehme, wird es schwierig. Deshalb muss ich ja nicht gleich alles mögen. Wenn ein Mensch z.B. zu dick ist, kann er ja unzufrieden sein mit seiner Situation und sagen, dass er gern schlanker sein möchte und sich ein solches Ziel setzt. Die Frage ist aber doch, warum fühle ich mich unwohl in meinem Körper? Kommt dieses Gefühl aus meinen Inneren oder weil unsere Gesellschaft das Ideal eines schlanken und schönen Menschen postuliert? Ist es mein Ego, was schlank sein möchte, damit ich mich besser fühle und von meiner Umwelt als attraktiv und liebenswert empfunden werde? Ist das vielleicht sogar das Hauptproblem, dass ich mich nicht geliebt fühle und das an meinem Körper festmache? Habe ich mir vielleicht deshalb ein „Polster“ zugelegt, was mich schützt?
Was auf der individuellen Ebene schon schwer genug ist, kann auf der kollektiven Ebene nicht besser werden. Da wird es mit der Wahrheit noch weniger genau genommen, denn da gibt es handfeste Interessen. Aber auch hier geben sich die Menschen doch lieber gern der Illusion hin und schauen lieber weg und besser noch fern. Da wird zum Glück auch immer mal die Wahrheit vermittelt, aber meist dann zu Zeiten, an denen Ottonormalverbraucher bereits an der Matratze horcht.
Wie sieht es denn heute mit der Wahrheit über Impfungen, über alternative Heilmethoden, den 11. September, Al-Kaida oder etwa unbekannte Flugobjekte aus? Wie sieht es mit der Wahrheit in unseren Geschichtsbüchern aus? Die historischen Überlieferungen sind doch immer auch eine Wahrheit derer, die die Macht über die Dinge hatten und so häufig die Wahrheit der Sieger. In unserer heutigen Zeit ist Information die Waffe und die Verantwortlichen in Politik und Medien wissen das. Vor einiger Zeit kam mal eine Dokumentation über den Tod eines palästinensischen Jungen, der vor laufender Kamera in den Armen des Vaters starb. Als die Bilder um die Welt gingen, schrie die Weltöffentlichkeit auf, wie grausam die Israelis seien. Das Team in der Doku wollte eigentlich nur recherchieren, wie es der Familie des Jungen ergangen sei und stieß dann auf ziemliche Ungereimtheiten, die zu dem Schluss kamen, dass der Junge möglicherweise gar nicht tot sei. Das hat mir damals klar gemacht, gar nicht mehr objektiv unterscheiden zu können, was wahr ist oder einfach nur medial in Szene gesetzt.
Schopenhauer hat einiges über die Wahrheit geschrieben – unter anderem dieses: „Alle Wahrheit durchläuft drei Stufen. Zuerst wird sie lächerlich gemacht oder verzerrt. Dann wird sie bekämpft. Und schließlich wird sie als selbstverständlich angenommen.
Kennen wir doch. Vor langer Zeit gab es doch mal einen Streit, ob sich die Sonne um die Erde oder umgekehrt drehe. Erst hat man über diese Leute gelächelt, später wurden Menschen wie Galilei und andere bekämpft. Bis 1835 also bis fast 300 Jahre nach Veröffentlichung war das Werk von Copernicus auf dem Index verbotener Bücher. Heute gilt das heliozentrische Weltbild als selbstverständlich. Und das ist das Schöne an der Wahrheit – sie lässt sich nicht aufhalten.
Glücklicherweise gibt es heute das Internet als globales Informationsmedium, wenn es damit auch nicht leichter geworden ist, Wahrheit und Dichtung auseinander zu halten. Aber es gibt zumindest den Rahmen, alternative Sichtweisen als die derzeit geltenden Ansichten darzustellen. Letztendlich können wir nur das als Wahrheit empfinden, was wir persönlich glauben. Und das, was wir glauben, geht natürlich durch unsere Filter, die wir mit den Jahren aufgebaut haben. Wenn es jahrzehntelang Usus war, geimpft zu werden ist es heute natürlich nicht so leicht, die Gefahren des Impfens anzuerkennen. Impfgegner werden massiv bekämpft, denn wir reden hier über ein milliardenschweres Geschäft.
Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen – Urknalltheorie, Evolutionstheorie usw. Wie der Name ja besagt, sind es Theorien, aber die meisten Menschen gehen wie selbstverständlich davon aus, dass es auch so war. Seit ein paar Jahrhunderten hat sich die Wissenschaft dazu erhoben, um die Dinge zu wissen. Befragt man Wissenschaftler im Einzelnen müssen sie zugeben, dass sie nichts wissen. Eine Theorie ist nur so lange wahr, bis neue Erkenntnisse neue Theorien hervorbringen.
Heute wird noch in der Schule gelehrt, dass Lebewesen durch die DNA mehr oder minder determiniert sind. Heute weiß man dank der Epigenetik, dass sich unsere Gene verändern lassen. In den Alltag hat es diese Theorie noch nicht geschafft.
Und was ist mit dem Gesetz von Ursache und Wirkung? Bis heute wird der Zusammenhang, dass der Geist (oder auch das Bewusstsein) eines jeden Einzelnen die Ursache von Wirkungen (also wie gesund ich bin, wieviel Geld ich habe, mit wem ich zusammenlebe etc.) sind nicht gelehrt. Wo kämen wir da ja auch hin? Zur Selbstverantwortung! Aber darüber später einmal hier oder in einem meiner Seminare mehr.
In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit zu sich selbst, aber auch dabei nicht hart mit sich und den anderen ins Gericht zu gehen, sondern die Dinge anzunehmen wie sie sind.
Ihr Thomas Böhme